Die Weser

Es ist schon ein schöner Fluss, der sich in Münden aus Werra und Fulda bildet und sich dann durch N.R.W., Niedersachsen und Bremen schlängelt, um schließlich in die Nordsee zu münden.
Da ich aus dem Westfälischen komme, interessieren mich vor allem die Abschnitte, die in meiner Nähe sind. Leider wird es immer schwerer dort geeignete und vor allem ruhige Ecken zu finden. Viele der alten und guten Stellen sind leider für die nächsten Jahre gesperrt. Da es an vielen Punkten zu Massenaufläufen kam, wurden diese Gebiete komplett unter Naturschutz gestellt. Weil man dem ganzem Treiben unserer deutsch-russischen Mitbürger nicht mehr standhalten konnte. Danke an dieser Stelle! Nichts gegen diese Menschen, ich habe über viele Jahre, Hunderte von ihnen kennen gelernt, und keiner von ihnen war auch nur im Geringsten unfreundlich oder so ähnlich.

Nur der eigentlich richtige Umgang mit den Fischen gab und gibt mir doch zu denken. Fast alles, was den Jungs an den Hacken geht, wird umgehend getötet. Diese Art des Fischens macht sich auf längere Sicht doch sehr negativ bemerkbar. Ich kannte Stellen wo täglich mindestens 20 Spezies auf einer Strecke von 700 Metern ihr Spiel spielten und das über Jahre hinweg. Das kann so nicht gut gehen. Aber allem zum Trotz ist und bleibt die Weser ein Karpfen-Mekka, man muß die Fische nur finden. Ich kenne diesen Fluss nun schon viele Jahre und auch einen meinen ersten 30er konnte ich dort vor Jahren überlisten. Trotztdem dauerte es seine Zeit sich intensiver mit ihm zu befassen. Es ist jetzt gut 5 Jahre her, seitdem ich das erste Mal so richtig in den Bann dieses Flusses gezogen wurde.

Es war ein heißer Sommer und ich hatte mir vorgenommen das restliche Jahr an diesem Fluss zu fischen. Einen eher ruhigeren Teil wollte ich mir dieses Jahr genauer betrachten. Es fing damit an, dass ich erst immer nur eine Nacht an verschiedenen Stellen fischen wollte um mich dann später für einen festen Platz zu entscheiden. Nach gut 5 Nächten hatte ich diesen gefunden und machte mir schon so meine Pläne. Als ich dann zum wiederholten Male an meinem Platz ankam, saßen mir Sebastian Rozwandowski und Werner, einer seiner Väter genau gegenüber.

Die Beiden fischten schon seit längerem für Eurobaits und hatten in der Vergangenheit schon so manchen guten Flusskarpfen überlisten können. Ich glaube, dass die Beiden, wenn sie in Deutschland fischen, nur noch die Weser befischen. Nach einer schlaflosen Nacht, die übersät war mit Mäulern (Döbeln), packte ich morgens zusammen und fuhr auf die andere Seite, um zu quatschen. Die beiden hatten auch nichts überlisten können. Wir kamen schnell ins Gespräch und ich verabredete mich mit Werner fürs nächste Wochenende, um gemeinsam auf die Jagt zu gehen und um dann später eine ganze Woche zusammen zu fischen. Das nächste Wochenende kam und wir waren da. Werner setzte sich gleich hin und bot mir eine Stelle an, die über ihm lag. "Na ja..." dachte ich, "der ist gut drauf -Er unten, ich über ihm-. Das machen wir jetzt mal mit und beim nächsten Mal wird sicherlich gewechselt." dachte ich!

Das Wochenende verlief ohne große Zwischenfälle, nur ein paar Mäuler ließen sich fangen. Die kommende Woche musste ich noch arbeiten und dann hatte ich endlich eine Woche Urlaub, den ich zusammen mit Werner an der Weser verbringen wollte. Wir trafen uns bei mir und dann ging´s los, ab an die Weser! Wir kamen gegen Mittag an unseren Stellen an und auch dieses Mal setzte Werner sich umgehend hin und ich musste mich weit über ihn setzen; ich dachte ich spinne, aber er hatte nicht die geringste Lust auf irgendwelche Diskussionen mit mir und ließ mich dumm sterben.

Warum mich das störte, liegt auf der Hand, der untere Platz an einem Fluss, wenn man zu zweit fischt ist meist der Bessere weil die Fische meist gegen die Strömung ziehen und dann halt immer zuerst bei Werner hätten beißen müssen. Da ich keinen Bock auf Streit hatte, gab ich klein bei und baute gut 15 Meter hinter ihm auf.

Als alles stand pumpten wir das Boot auf und echolotteten erst mal unseren Flussabschnitt. Anschließend wurde richtig geschüttet. Werner fischte White Chocolate von Eurobaits, von denen er mehr als überzeugt war. Ich fischte meinen eigenen Stoff, es war eine Mixtur aus The Nut und Super Spice. Wir versenkten jeder gut 15 Kilo Mais und etwa 5kg Boilies um erst mal einen guten Start zu haben. In der ersten Nacht passierte rein gar nichts. Am folgenden Morgen frühstückten wir ordentlich, und ich packte meine Kopfstange aus, um wenigstens beim Stippen ein paar Schuppen zu sehen. Wir waren gerade richtig im Stipprausch, als eine meiner Ruten abschoss. Wir schauten uns kurz an und ich sprang zur Rute, drillte und kescherte einen wunderschönen Schuppenkarpfen von 22 Pfund.

Den lichteten wir umgehend ab und setzten ihn wieder zurück. Wenn es nach Werner gegangen wäre, hätten wir nicht ein Foto von der Ronte gemacht. Er ist leider so versaut, dass er Fische unter 30 Pfund gar nicht mehr fotografiert. Aber egal. Weiter ging`s! Rute wieder rein und gut 2 Kilo Futter hinterher.

Ich konnte bis Donnerstag 6 Fische verzeichnen und Werner nicht einen, alles Fische zwischen 20 und 31 Pfund. Am Donnerstagmorgen musste Werner kurz zum Zahnarzt und wollte am Nachmittag wieder am Platz sein. Es war gut 16 Uhr und von Werner nichts zu sehen. Ich wollte gerade meine Ruten neu legen, als plötzlich einer meiner Stöcke sich böse neigte und der Bissanzeiger das große Heulen begann. Ich nahm die Rute in die Hand und konnte nach einem mächtigen Drill einen wunderschönen Spiegebullen von 35 Pfund auf die Matte legen. Ein paar Minuten später kam Werner angerollt. Als ich ihm das Ganze erzählte, wurde er ganz leise und begann ganz eifrig zu optimieren. In der folgenden Nacht konnte ich noch zwei weitere Fische überlisten und auch Werner hatte Erfolg, er fing einen herrlichen Schuppi von 29 Pfund und setzte ihn ohne Foto gleich wieder ins Nasse zurück.

Hart, ne?! Jürgen Meier kam morgens noch bei uns vorbe;. Auch er hatte die letzten Tage gar nicht weit von uns gefischt, war aber leer ausgegangen. Es wurde aber noch witziger: Wir wollten eigentlich Freitag nach Hause, aber Werner war so besessen, dass er nur zu mir sagte, er könne hier jetzt nicht mehr weg und ich sollte doch zu sehn wie ich nach Hause käme. Ich rief einen guten Bekannten an und der holte mich dann auch umgehend ab. Ich fing 9 Fische davon 4 über 30 Pfund in 4 Nächten an einem deutlich schlechteren Platz als Werner. Werner blieb noch länger und konnte in der folgenden Nacht noch 3 Fische fangen. Sebastian kam am Samstag und übernahm meinen Platz, doch es passierte nichts mehr bei den Beiden.'

Ja, so was kann man an der Weser erleben wenn man sich ein bisschen Zeit und gutes Futter mitnimmt. Viele Angler füttern auch Tage vorher ganz wild an, davon halte ich nicht viel. Zumindest nicht im Hauptstrom, in Wendebecken mag das durchaus etwas bringen. Es handelt sich dabei um Flusskarpfen, und die ziehen einfach weiter. Probiert es doch selber mal aus und lasst euch nicht von den ganzen Umständen abschrecken. Die Weser gehört sicher mit zu den härtesten Gewässern die ich kenne, aber wenn es läuft, dann läuft's!

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