Absolut!
Mein Keller sieht aus wie eine Backstube im Höchstbetrieb. Überall kleben Teigreste und der Geruch von Vanilla-Cream zieht durch das von Zucht und Ordnung geprägte Treppenhaus. Aus dem zweiten Stock höre ich zwei in die Jahre gekommene Nachbarinnen, die "dem jungen Mann von unten" alsbald mal ein paar Takte erzählen wollen. "Was sind das bloß für Sitten in letzter Zeit!?" Aus dem Fingernagel meines rechten Mittelfingers schaut die Spitze der Eierschale hervor, die ich mir soeben beim Teigkneten weit unter das Nagelbett geschoben habe. Schmerzen? Ach was! Ich will hier nur noch fertig werden. Nach einigen Stunden habe ich die 400 Eier verarbeitet und die letzte Murmel abgedreht. Doch wer das weitere Procedere kennt, der weiß, dass nach der Produktion das große Kochen ansteht. Der junge Mann von unten schleppt (natürlich mit Teigresten unter den Fußsohlen) die abgerollten Baits durch das sterile Treppenhaus in die vorpräparierte Küche. "Wir sind dann mal weg, ne", dröhnt es aus dem Flur und schon herrscht Totenstille in den sonst von Kinderlärm vibrierenden vier Wänden. Trotz zweier Friteusen brauche ich so meine Zeit, bis alle Baits frisch gekocht ihre vorletzte Reise antreten und in den Gemüsekisten trocknen können. Das anschließende Reinigen beginnt in meiner Küche. Langsam arbeite ich mich durch das Treppenhaus, immer unter den mürrischen Blicken der beiden alten Damen und nach einer erneuten Stunde habe ich endlich den Fußboden meines Kellers von den widerspenstigen Teigresten befreit.

Ich mache seit Jahren keinen Hehl daraus, dass mir das Produzieren von Boilies absolut keinen Spaß bereitet. Die häufige Massenproduktion mit teilweise ungenügenden Hilfsmitteln schlug mir viel zu häufig aufs Gemüt und trübte nicht selten meine Vorfreude auf das von mir so geliebte Hobby. Als zweifacher Familienvater ist meine Freizeit ohnehin auf ein Minimum reduziert und somit verbringe ich mittlerweile meine freien Stunden lieber an den Ufern vieler Norddeutscher Perlen, als vor dem ungeliebten Rolling-Table. Wie es der Zufall so wollte, lernte ich vor einigen Jahren meinen guten Freund Simon kennen. Was mir neben seiner lustigen Art sofort auffiel war, dass er wesentlich kontinuierlicher fing als ich. Gut, dies wird sicherlich viele Gründe haben, wäre hier wohl die einhellige Meinung, jedoch unterschied sich unsere Art der Angelei nur durch einen Faktor – dem Boilie! Während ich weiterhin meine, in mühsamer Kellerarbeit hergestellten Baits fischte, vertraute Simon voll und ganz auf die Frozen Baits von Markus Kautz, einem bis dato eher unbekanntem Köderhersteller. Nur eine kleine elitäre Auswahl an engen Freunden fischte zu diesem Zeitpunkt mit seinen Baits. Doch die Zeit schreitet voran und die Firma Kautz-Baits ist größer geworden und hat mittlerweile einen Namen in der großen und lebhaften Szene. Bevor jetzt das große Stöhnen losgeht oder ihr gerade dabei seid weiter zu blättern sei gesagt, dass die folgenden Absätze keine großflächige Werbekampagne darstellen sollen, sondern lediglich meine ehrliche Meinung, über mein erstes Jahr mit Markus seinen Boilies widerspiegeln soll. Ich bin weder Testangler, noch Teammitglied, und bekomme auch keinen Freundschaftdrittengradesrabatt von ihm und kann deswegen mit reinem Gewissen sagen, dass ich vom ersten Tag an, seit meiner ersten Berührung mit Kautz-Baits, diesen Pillen regelrecht verfallen bin.

Ich weiß nicht wie häufig Markus mir in den letzten Jahren angeboten hat einmal seine Baits auszuprobieren. Ob es nun der innere Stolz oder das ultimative Vertrauen in meine eigenen Baits war, kann ich zum heutigen Tage nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich erst zu Beginn des vergangenen Jahres meine ersten Boilies bei ihm bestellte und schon viel früher als erwartet meine ersten positiven Eindrücke gewinnen konnte. Die Strategie, die hinter den Baits steht, besagt, dass ein Vorfüttern nicht mehr nötig ist, da eine fast unglaubliche Instantwirkung unter Wasser entsteht, die aber ihre Wirkung in keiner Weise verfehlt, wenn der Angelplatz über einen längeren Zeitraum hinweg befischt wird. Der Angler kann also mit einem Maximum an Vertrauen an das Gewässer kommen und sich ab sofort nur noch Gedanken darüber machen, wo er seine Montagen ablegen wird. Für den Rest sorgt dann die Instantwirkung. Vorausgesetzt, unser Zielfisch findet den von uns gewählten Platz ebenso attraktiv! Auch das Motto "weniger ist mehr" ist Basis der Strategie. Markus prophezeite mir, dass ich mit weniger als 20kg Boilies im Jahr auskommen würde; eine bis dahin für meine bisherige Angelei eher unwahrscheinliche Ansicht. Am Ende jedoch, verbrauchte ich das ganze Jahr über 14kg seiner Baits und war erfolgreicher denn je.
Zur Objektivität sei gesagt, dass ich die Baits an zwei unterschiedlichen Gewässertypen gefischt habe, die zwar einen guten Bestand an Karpfen aufweisen, jedoch sehr launisch sein können. Blankphasen treten an beiden Gewässern häufig und in längeren Intervallen auf und eine Nacht mit 5 Fischen ist an dort schon als respektables Ergebnis zu werten. Auch an anderen Gewässern fischte ich die Baits im Laufe des Jahres, jedoch würden die dort gesammelten Erfahrungswerte mein Gesamtergebnis nicht objektiv genug widerspiegeln können, da ich diese Gewässer vorher noch nie befischt hatte; jedoch andererseits sehr überrascht darüber war, wie schnell man dort Fische fangen konnte…
An meinem ersten Testgewässer während einer Kurzsession instant dauerhaft erfolgreich zu sein, glich seit Jahren einem Lotteriespiel. In all den Jahren die ich dort verbrachte, ist mir dies nur ein einziges Mal gelungen. Wahrhaftig war dieser Fang als Lucky Punch zu bezeichnen und das Erstaunen über den 27er Spiegler war damals, vor genau fünf Jahren, immens hoch. Umso sicherer war ich mir, dass auch die so hoch gepriesenen Frozen Baits meine gesammelten Erfahrungswerte unterstreichen würden. Nun hatte ich aber fünf frische Kilo Egoist H.N.V. Spring-5-Fish in meiner Tiefkühltruhe und wollte meine inneren Zweifel entweder bestätigt oder als unberechtigt abgelegt wissen.

Es war ein sonniger Maitag. Nur ab und zu wehte ein leichter Wind aus Osten über die glatte Oberfläche des Sees. Ich wählte einen Platz, an dem ich einen kleinen Schilfgürtel, sowie ein größeres Plateau in ca. 50m Entfernung befischen konnte. Mit meinem Futterboot brachte ich beide Montagen an die auserwählten Plätze und stickte jeweils 10 Boilies hinterher. Die schlechten Instanterfahrungen der Vergangenheit, mit den unterschiedlichsten und wagemutigsten Attraktoren, wichen schnell einer dynamischen Spannung. Es ist schon unglaublich, was die Erwartungen an einen bestimmten Köder in einem auslösen können. Gleich zwei Mal in der folgenden Nacht durchbrach das Licht der blauen Diode meines Fox Micron die Dunkelheit. Einem kampfstarken Aussteiger folgte ein traumhafter Spiegler von 28 Pfund und eine kurze, nächtliche SMS an Markus: Alter, das glaubt mir keiner!
Vier Tage später. Gleicher See, derselbe Boilie, nur den Platz wechselte ich diesmal, um meinem ersten positiven Eindruck Nachdruck zu verleihen, sofern ich denn erneut erfolgreich sein sollte. Ich hatte insgesamt 6 Stunden Zeit zu fischen und nahm Platz in einer kleinen Flachwasserzone. An meinem Fluorcarbonvorfach bot ich jeweils einen 18mm Spring-5-Fish Boilie an. Wieder fütterte ich nur eine handvoll Boilies hinterher, schön großflächig, damit die Karpfen durch das Suchen etwas beschäftigt und somit auch etwas abgelenkt sind. In den frühen Abendstunden zeigten sich schnell die ersten Weißfische im Flachwasser. Barsche schnappten nach kleinen Fliegen an der Oberfläche, parallel gejagt von einem stürmischen Haubentaucherpärchen. Vier Stunden vergingen ohne Biss, bis schliesslich einer der Swinger unter dem Blank zu kleben schien. Träge schleppt sich der kleine Spiegler in meinen Kescher. Ich umschliesse ihn und bin schwer elektrisiert. Keine Stunde verging bis der nächste Fisch mit dem 6er Wide Gape in der Unterlippe wie von Sinnen durch das kleine Krautfeld tobte. Erneut meinte es Petrus gut mit mir und auf dem direkten Weg zum bevorstehenden Nachtdienst schreibe ich Markus erneut eine SMS: Alter, ich glaube Du hast tatsächlich recht!

Im Hochsommer jedoch, hatten mich die Baits dann vollends überzeugt. Drei Nächte an meinem zweiten Testgewässer, innerhalb von 14 Tagen, mit jeweils 14, 12 und 8 Fischen brachten mein Euphoriefass zum überlaufen. 10 Fische brachten es auf weit über 30 Pfund und keiner war leichter als 25 Pfund. Ich war gefesselt! Noch nie hatte ich aus diesem Gewässer derartige Erfolgsmeldungen gehört, geschweige denn selbst erlebt. Erneut hatte ich das Verlangen Markus an meinem Erfolg teilhaben zu lassen und tippte mit zittrigen Händen die nächste SMS in mein Handy: Alter, ich bin mir sicher das Du recht hast!
Dem grünen Sommerkleid der Bäume folgte bald die Farbenpracht des Herbstes. Auf meinem Zielgewässer werden bunte Blätter auf den Wellenspitzen balanciert und ich schaue zufrieden auf den dicken Ast, der mir schon so häufig als Carpsack-Fixierung diente. Fünf Bänder hängen hinab und bewegen sich mit dem Rhythmus des Windes. Alles schien so einfach zu diesem Zeitpunkt. Alles erschien einfach zu perfekt. Immer noch hege ich meine inneren Zweifel daran, dass einzig und allein die Baits dafür verantwortlich waren, dass die Erfolgssträhne in diesem Jahr einfach nicht abreißen wollte. Aber dieses eine Jahr im Vergleich zu den Jahren zuvor, bildet auf jeden Fall eine gesunde Basis für eine erste objektive und eindrucksvolle Einschätzung.
Hey Alter, danke für dieses tolle Jahr! Dies waren meine letzten Worte an Markus in diesem Jahr.
Seine Antwort kam prompt: Bleib ruhig Timo, denn dies war erst der Anfang…
Timo Schneider